Das Testament

 

von Rechtsanwalt Thomas Weimer, Limburg

 

Dass das Vermögen eines Menschen mit dessen Tod auf die Erben übergeht, steht im Gesetz. Praktisch laufen die Dinge jedoch meist wesentlich komplizierter ab.

Ein Dritter weiß nicht ohne weiteres, wer Erbe ist. Die Erbfolge kann sich aus dem Gesetz ergeben, aber auch aus einem handschriftlichen oder notariellen Testament.

Außenstehende müssen sich darauf verlassen können, wer tatsächlich Erbe geworden ist. Auch Grundbuchämter, Behörden, Banken und sonstige Nachlassschuldner verlangen daher regelmäßig einen Erbschein. Darin wird die Erbenstellung gerichtlich bestätigt, wenn kein oder nur ein privates Testament vorliegt.

Ein „anwaltliches“ Testament gibt es übrigens nicht. Ein Anwalt kann zwar beratend tätig werden oder ein Testament entwerfen. Der Erblasser muss es aber mit der Hand abschreiben, da es sonst nicht wirksam ist - also liegt wiederum nur ein handschriftliches Testament vor; hier fallen sogar noch Zusatzkosten für die anwaltliche Beratung an. Beim Notar ist die Beratung dagegen in den Beurkundungskosten enthalten, also inklusive.

 

Das Erbscheinsverfahren, das beim Fehlen eines notariellen Testaments durchlaufen werden muss, ist zeit- und kostenaufwendig - erst recht, wenn es zwischen den Erben Streit gibt. Das kann vermieden werden, wenn ein notarielles Testament vorliegt. Der Bundesgerichtshof hat dies kürzlich nochmals klargestellt. Er hat das Ansinnen einer Bank abgelehnt, die zusätzlich einen Erbschein verlangt hat. Fazit: Ein notarielles Testament ersetzt den Erbschein. Der Erbe kann damit sofort die Erbschaft antreten.

 

Das notarielle Testament beschleunigt nicht nur die Nachlassabwicklung. Es bietet aufgrund der Beratung durch den Notar auch eine höhere Rechtssicherheit und vermeidet in vielen Fällen kostspielige Streitereien, die beim handschriftlichen Testament oft entstehen, weil sich der Erblasser missverständlich ausgedrückt hat.

 

Ein notarielles Testament ist auch preiswerter als ein Erbschein. Denn es löst nur ein einziges Mal Kosten aus, nach einer bundesweit für alle Notare einheitlichen Tabelle. Liegt kein oder nur ein handschriftliches Testament vor, wird es teuer: Der Erbe muss in der Regel beim Notar den Erbschein beantragen und bei Gericht Kosten der Erbscheinserteilung zahlen. Bei Eheleuten sowie bei Vor- und Nacherbschaft können sich diese Kosten verdoppeln und sogar vervielfachen.

 

All dies zeigt, dass gerade im Erbrecht nichts dem Zufall  überlassen werden sollte. Eine rechtzeitige Beratung schon zu Lebzeiten kann nicht nur erhebliche Kosten, sondern auch viel Ärger ersparen.